Schaustellermeinung

Gevelsberger Kirmes, das sagen die Schausteller.Bericht über die Gevelsberger Schausteller aus Sicht eines älteren Schaustellers, der diese von Kindesbeinen als Sohn eines Schaustellers erlebt hat.

Im Auftrag des Hagener Schaustellervereins von 1907 e.V.

Als Kind habe ich schon mitbekommen, dass meine Eltern immer eine besondere Nervenanspannung hatten, wenn die Gevelsberger Kirmes bevorstand. Man muss sich vorstellen, unter welchen Bedingungen sie damals mit ihren Kirmeswagen fuhren. Die Zugmaschinen, meist nur Traktoren, hatten nur mechanische Bremsen und die Wohn- und Packwagen, wenn überhaupt, nur Auflaufbremsen. Dieses bei einem Aufbau an einem Berg mit einem Gefälle von zehn Prozent. Soweit ich recherchiert habe, gibt es in ganz Europa keine Kirmes, welche an solch einer Gefällstrecke aufgebaut wird. Die Schausteller, unsere Väter, haben unter den damaligen Bedingungen eine besondere Leistung vollbracht.

Es ist wirklich, ohne Zweifel, die schrägste Kirmes, die ich kenne.

Da muss ich die Namen der damaligen Beschicker der Gevelsberger Kirmes einmal nennen. Josef Ross aus Hagen mit seinem Riesenrad, Heinrich Kötter mit seinem Kettenkarussell, Lange-Reese mit der Raupenbahn, Heinz Osselmann aus Düsseldorf mit seinem Auto-Skooter. Später kam dann als etwas Moderneres die La-Bostelle der Firma Schäfer auf den Privatplatz oberhalb der Erlöserkirche. Die Verhältnisse haben sich heute natürlich grundlegend geändert. Aus den damaligen Traktoren sind moderne Zugmaschinen geworden und die Hänger sind modern und mit Zweileitungsbremssystemen ausgerüstet. Mit den damaligen Fahrzeugen könnte man sich nicht mehr in den heutigen Verkehr begeben. Trotz alledem ist der Aufbau der modernen Fahrgeschäfte und der Randgeschäfte (Buden und Verkaufswagen) für uns Schausteller auch heute noch immer wieder eine besondere Herausforderung.

Als 1980 die Kirmes bis auf die Mittelstraße ausgedehnt wurde, entstanden zusätzliche Standplätze für Fahrgeschäfte und Verkaufsstände. Der Kirmeszug wurde dann später in die Nordstraße geleitet, dadurch konnte die Rosendahler Straße mit ins Kirmesgeschehen einbezogen werden. Trotz der schwierigen Bedingungen kommen die Schausteller immer gerne nach Gevelsberg. Bei den Spenden für die Kirmesgruppen und den Gevelsberger Kirmesverein zeigen sich die Schausteller, trotz allgemein nachlassender Geschäftstendenz, immer noch recht großzügig. Wir merken auch an der Besucherzahl, dass die Gevelsberger ihre Kirmes lieben. Auch Auswärtige aus den Nachbarstädten kommen immer gerne zu diesem einzigartigen Volksfest.

Wenn man mit Gevelsbergern spricht, erfährt man Folgendes: „Ohne die Kirmes würden wir nie auf die Idee kommen, mehrmals am Tag den Berg rauf oder runterzulaufen.“ Wenn man dann noch bedenkt, was die Stadt Gevelsberg unternimmt, damit die Kirmes in dieser Weise durchgeführt werden kann. Die Sperrung der benötigten Straßen sowie die weitläufige Umleitungsbeschilderung. Da kann man der Stadt und den Bediensteten nur ein Riesenkompliment machen. Dass eine Stadt, allen voran ihr Bürgermeister, sich so um ihre Kirmes bemüht, können wir als Schausteller nur gutheißen. Dieses können sich viele deutsche Städte und Gemeinden als Vorbild nehmen. Aus der Verbindung zwischen den Schaustellern und dem Gevelsberger Kirmesverein hat sich ein konstruktives Verhältnis entwickelt.

Bernd Alexius